Rosentreter Augustinus Johann

männlich 1844 - 1926  (82 Jahre)


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  • Name Rosentreter Augustinus Johann 
    • Fundstelle: NDB Bd. 22, S. 85-86 - Autor(en) der NDB: Wolf-Dahm, Barbara
      Band VIII (1994)Spalten 695-698 Autor: Barbara Wolf-Dahm
      ROSENTRETER, Augustinus, Bischof von Kulm, * 13.1. 1844 in Abrau bei Konitz/Westpreußen, + 4.10. 1926 in Pelplin. - R., der
      älteste Sohn von Josef R. und Anna geb. Musolf, entstammte einer kinderreichen Bauernfamilie der Koschneiderei. Von 1852 bis
      1861 besuchte er das Gymnasium in Konitz und trat dann, wie später zwei jüngere Brüder, in das Pelpliner Priesterseminar ein.
      Wegen eines Augenleidens mußte er sein Studium bald für eine Kur in Danzig unterbrechen (1862) und später in Bonn und
      Münster/Westfalen fortsetzen, von wo aus er regelmäßig in Bad Ems Heilung suchen konnte. Dort lernte er auch den
      Zentrumsführer Ludwig Windthorst persönlich kennen. 1869 erwarb R. in Münster mit der bibelwissenschaftlichen Abhandlung
      »De tribus versibus primis cap. undecimi S. Pauli ad Hebraeos« den Grad eines Lizentiaten der Theologie. Im Anschluß daran
      absolvierte er den Pastoralkurs im Priesterseminar zu Pelplin und empfing am 12.3. 1870 in der dortigen Kathedrale die
      Priesterweihe. Nach kurzen Vikariaten in Neuenburg/Weichsel und in der Pfarrei St. Brigitten/Danzig ernannte ihn Bischof
      Johannes Nepomuk von der Marwitz (s.d.) zum Professor für Exegese am Pelpliner Priesterseminar. Seine Lehrtätigkeit wurde
      jedoch durch den Kulturkampf beeinträchtigt und endete mit der Schließung des Seminars 1876. Für eine Reihe von Jahren
      verließ R. seine Heimat, um in Rom, im Heiligen Land sowie in Ägypten seine exegetischen Studien zu vertiefen. 1885 übernahm
      er die Leitung des katholischen Lehrerseminars in Berent/Westpreußen und die Aufsicht über das Schulwesen. Als am 14.6. 1887
      das Priesterseminar in Pelplin wiedereröffnet werden konnte, erhielt R. nicht nur seine frühere Professur zurück, sondern wurde
      auch zum Regens des Seminars und darüber hinaus ins Domkapitel berufen (22.8. 1887). Seit 1881 bekleidete er das Amt des
      Prosynodalexaminators, 1889 wurde er Defensor vinculi im bischöflichen Offizialat. Aus Anlaß seiner 25-jährigen Dozentur verlieh
      ihm die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster 1896 die theologische Ehrendoktorwürde. Im gleichen Jahr
      übernahm er zusätzlich die Professur für Moraltheologie im Pelpliner Priesterseminar. Trotz all dieser Belastungen fand R. noch
      die Zeit zur Veröffentlichung kleinerer lokalhistorischer Abhandlungen sowie verschiedener Artikel in »Wetzer & Welte's
      Kirchenlexikon«. Nach dem Tod des Kulmer Ordinarius Leo Redner (s.d.) wurde R. auf Drängen des Heiligen Stuhles am 22.12.
      1898 vom Domkapitel zum Bischof gewählt. Das knappe Wahlergebnis (neun von 14 Stimmen) spiegelt die nationale Spaltung
      des Kapitels wider, die R. während seiner gesamten Amtszeit Probleme bereiten sollte. Die Weihe empfing er am 9.7. 1899 in der
      Kathedrale zu Pelplin aus der Hand des benachbarten Bischofs von Ermland, Andreas Thiel. R. versuchte, sich aus dem
      zunehmenden Nationalitätenkonflikt zwischen Deutschen und Polen in Westpreußen herauszuhalten, indem er sich auf die
      Seelsorge konzentrierte. Dabei kam ihm zugute, daß er das Polnische fließend beherrschte, wodurch er auch die Achtung seiner
      polnischen Diözesanen gewann. Während seines Episkopats entstanden über 60 neue Pfarreien bzw. Seelsorgestationen.
      Darüber hinaus errichtete er ein Konvikt in Neustadt/Westpreußen und förderte das Universitätsstudium angehender Geistlicher. In
      dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen der preußischen »Germanisierungspolitik« (Ansiedlungsgesetze, Einschärfung des
      Deutschen als Unterrichtssprache, daraufhin Schulstreik 1906/07) und der Agitation nationalpolnisch gesinnter Priester in
      Westpreußen versuchte R., ausgleichend zu wirken. Gegenüber den Staatsbehörden verteidigte er die Vorlesungen in polnischer
      Sprache am Priesterseminar zu Pelplin. Aus historischen und pastoralen Gründen lehnte er die seit 1904 von der Regierung
      betriebene Herauslösung des Bistums Kulm aus dem Metropolitanverband Gnesen-Posen, dem Zentrum der polnischen
      Unabhängigkeitsbewegung, ab. Etwa zur gleichen Zeit tauchte R.s Name in den Verhandlungen zwischen der preußischen
      Staatsführung und dem Heiligen Stuhl über die Besetzung des erzbischöflichen Stuhles von Gnesen-Posen auf. Jedoch wurde der
      Plan einer Transferierung R.s nicht weiter verfolgt, weil man in Berlin vermutlich in dem vorsichtig vermittelnden Kurs des
      westpreußischen Bischofs eine zu große Nachgiebigkeit gegenüber den polnischen Interessen sah. Während des Ersten
      Weltkrieges organisierte R. mehrere Kollekten und eine Reihe von Hilfsmaßnahmen in seiner Diözese, welche u.a. der
      Bevölkerung Zentralpolens und Litauens, aber auch dem Internationalen Roten Kreuz zugute kamen. Aufgrund seiner strikten
      Neutralität konnte er im Amt verbleiben, als durch den Friedensschluß von Versailles 1919 der größte Teil des Bistums Kulm an
      den wiedererstandenen polnischen Staat fiel. Auf dem Diözesankatholikentag in Dirschau am 31.5. 1924 bezeichnete R. die
      Erneuerung Polens als einen Akt göttlicher Gerechtigkeit und rief die Gläubigen zur Loyalität gegenüber der jungen Republik auf.
    Geboren 13 Jan 1844  Abrau, Kreis Tuchel, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    Getauft 14 Jan 1844  Lichnau, Kreis Konitz, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    • Taufpaten : August Rosentreter, Catharina Musolf
    Geschlecht männlich 
    Beruf Bischof von Culm; Prof. Dr. 
    • 1869 Lizentiat der Theologie
      1870 Priesterweihe
      1871 Professor der Exegese am Priesterseminar in Pelplin dann Domherr von Kulm
      1898-1920 Bischof von Kulm
    Religion katholisch 
    Gestorben 3 Okt 1926  Pelplin, Kreis Dirschau, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [2
    Begraben nach 3 Okt 1926  Pelplin, Kreis Dirschau, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [2
    Personen-Kennung I10369  Koschneiderei_Musolf_20180303
    Zuletzt bearbeitet am 4 Mrz 2018 

    Vater Rosentreter Joseph Matthias,   geb. 28 Feb 1817, Abrau, Kreis Tuchel, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 23 Aug 1897, Abrau, Kreis Tuchel, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 80 Jahre) 
    Beziehung Leiblich 
    Mutter Musolf Anna Catharina,   geb. 10 Nov 1821, Schlagenthin, Kreis Konitz, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 3 Jan 1896, Abrau, Kreis Tuchel, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 74 Jahre) 
    Beziehung Leiblich 
    Verheiratet 14 Nov 1842  Schlagenthin, Kreis Konitz, WPR Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [3
    Familien-Kennung F512  Familienblatt  |  Familientafel

  • Ereignis-Karte
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  • Quellen 
    1. [S1] Lichnau, Kreis Konitz, WPR / Kirche St. Hedwig / Taufen, (Location: Lichnau, Kreis Konitz, WPR;), 1844/0004.

    2. [S90] Ahnenforscher\Bonin, Ulrich\Bonin, Ulrich#2012_04_08.ged.

    3. [S2] Lichnau, Kreis Konitz, WPR / Kirche St. Hedwig / Eheschliessungen, (Location: Lichnau, Kreis Konitz, WPR;), 1842/0013.